Vom Verschwinden – Werkschau des Fotokünstlers Andreas Gursky in Krefeld

„Das kann ich auch“, mit diesen Worten kam mir ein älterer Herr aus der oberen Etage des Hauses Lange (Museum in Krefeld) entgegen. Die Treppen erklimmend muss ich ihn wohl angeschmunzelt haben….ungläubig…bevor der Herr oder ich  in der Besuchermenge  verschwanden.

Gursky – der teuerste deutsche Fotograf- und ausgerechnet der reizt Besucher zu solchen Kommentaren? Um es vorweg zu sagen: in Krefeld ist in Huas Esther und Haus Lange derzeit noch bis 25.Januar eine beeindruckende Werkschau von Andreas Gursky für nur 6,- /3,50,- (Schüler) Eintritt zu sehen. Eine wunderbare Schau, weil sie nicht nur Bilder des großen Meisters seines Faches zeigt (ja, auch das Rekordbild, das für über 2 Millionen Dollar unlängst versteigert wurde, ist in einem kleinen Abzug zu sehen („99 Cent“). Diese Aussteellung begeistert mich gerade deshalb, weil sie die Suche eines jungen Fotografen nach seinen Motiven, seinen Themen zeigt….Und wir wissen ja alle, bevor wir finden, haben wir unter Umständen lange gesucht, sind viele Irrtümer eingegangen. So sind vom sehr frühen Studenten Gursky Bilder zu bestaunen, die so schlicht, banal sind…dass sie wohl zu dem Urteil des älteren Herrn auf der Treppe reizen: „Ja, das kann ich auch“. Nur sind weder ich noch der ältere mir unbekannte Herr Andreas Gursky vergleichbar bekannt geworden mit unseren Bildern…. Gursky hat nach all dem Suchen, Experimentieren schließlich seine „Melodie“ der Motivik gefunden. Gursky entdeckt seine Vorliebe für Geometrie, für Muster und Reihung in seinen Arbeiten. Und oft, sehr oft entgeht dem flüchtigen Blick, woraus diese Muster bestehen: Aus Menschen- klein, zusammengesperrt, wiederholt, anonymisiert, im Käfig – Knast, auf der Schneepiste, im Stadion, in der Wohnmaschine/Arbeitsplatz, am Flughafen

Es mag sein, dass auch noch andere Gursky-Bilder zu sehen sind. Diese haben jedoch für mich die stärkste Sogwirkung gehabt. Der Mensch,z.T. ins insektenhafte verkleinert, bunte Muster produzierend in der Masse wird in Gursky´s Fotos systematisch beraubt. was ihm abhanden kommt, fragt der Leser? – Sein Gesicht, antworte ich, seine Einzigartigkeit. Muster- Menschen in der Masse. Immer wieder. Und dann…. wenn der Mensch so zur Applikation von Architektur…oder Landschaft wird, kann er doch auch ganz verschwinden?! Um so reiner mag dann die eigentliche Form zu Tage treten – ohne Menschen: Leere Landschaften oder Architektur auf Muster und Geometrie reduziert.

„Man muss schon einen starken Glauben an die Individualität des Menschen und seiner Schöpfungen haben, wenn man nach diesen Gursky-Bildern nicht ins Grübeln kommen will“, brummte ich am Ausgang zu meiner Frau. Wie gut, dass es da doch den frühen Gursky gibt, über den wir alle mit dem älteren Herrn sagen: „Das hätte ich auch so machen können“ . – Hätte“ – Es gibt soviele Möglichkeiten…auf dem Weg zu einer großen Idee, seufzt der Amateur.- „Machen“, sage ich…und „unbedingt hingehen“. Bevor die Bilder auch noch verschwunden sind. (Ausstellung bis 25. Januar 2009)

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Dies ist ein Blog zum Austausch von Erfahrungen mit Lerninhalten des Faches Medienproduktion der 2jährigen Berufsfachschule für Medientechnik am Käthe Kollwitz Berufskolleg in Oberhausen.